Werkstatt: Service an einer Dampflok mit stehendem Motor

Hauptuntersuchung bei der 89:
Intervall ca. alle 20 Betriebsstunden oder 1 mal im Jahr, bei staubiger Umgebung oder intensiver Belastung auch öfter. Verschiedene Pinzetten und Schraubenzieher, Pinsel, ein Kugelschreiber sowie Leichtlauföl werden benötigt.



Natürlich kann man den Pin auch mit einem anderen Werkzeug, als einem Kugelschreiber, hineindrücken. Mit Kuli reduziert man das Verletzungsrisiko des Gehäuses auf Null.



Den Pin von schräg oben ins Gehäuse drücken und es rastet sofort aus der Halterung.



Gehäuse möglichst 'um den Motor herum' abziehen. Bei manchen 89er und anderen ähnlichen Loks ist der Motor nur aufgesteckt, statt -geschraubt. Es besteht dann die Gefahr, dass sich die Motorwelle verbiegt.



Nun noch vorne an der Rastnase aushängen und wir haben das blanke Chassis vor uns.



Zuerst werden die Bürsten kontrolliert. Mit einer geriffelten Pinzette nimmt man die motorabgewandte Seite, biegt sie leicht vom Chassis weg und zieht sie vorsichtig nach oben weg.



Die Bürsten sollen plan aufliegen, ansonsten entsprechend biegen. Nur so ist der Anpressdruck richtig. Sauberkeit ist wichtig, von den Kohlen sollte noch mindestens 1 mm vorhanden sein. Ansonsten reinigen mit Waschbenzin, bzw. Bürsten austauschen.



Der Kollektor muss sauber sein. Eine Reinigung mit Waschbenzin empfiehlt sich bei jedem Service. Wichtig für eine lange Motorlebensdauer sind freie Luftspalte im Kollektor. Sind sie mit Öl und Kohle zugesetzt, kann sich ein Kollektorschluss bilden, der in kurzer Zeit den Motor überhitzt.



Um an die Radschleifer der 89 heranzukommen, nehme ich die oberen Steuerungsteile ab - einfach nach aussen ziehen und nach hinten abziehen.



Mit einem Pinsel und etwas Waschbenzin werden die Radkontakte gesäubert. Auch Achsen und Treibstangen sollten auf Haare und Flusen kontrolliert werden.



Wenn alles sauber und leichtgängig ist, kann die Steuerung wieder montiiert werden: In den Zylinder stecken, dann in die Halterung aus Kunststoff drücken.



Wir kommen zur Unterseite. Hier hilft wieder ein Klumpen Knetmasse für sicheren Stand des Chassis.



Mit einem passenden Schraubenzieher wird der Getriebedeckel gelöst. Kleinteile am besten in einem passenden Behälter sicher unterbringen! Die Schraube im Hintergrund zeigt, wie man es nicht machen sollte ;-)



Jetzt ist Vorsicht und erhöhte Aufmerksamkeit angesagt! Bei den Modellen der 89, der kleinen Diesellok 260 und der Dampflok BR 74 lauern unter dem Getriebedeckel die Federn der Kupplung. Bei sachtem Abheben springen diese normalerweise nicht heraus, wenn sie richtig eingesetzt waren. Deshalb ganz langsam abheben und zuerst unter den Deckel schauen!



Wenn das Getriebe nur geölt wird, ist es eigentlich nicht nötig, die Kupplungen auszubauen. Trotzdem hier einige Hinweise dazu... Mit einem Magnet am Schraubenzieher hat man die Feder gut im Griff und sollte sie an einem sicheren Ort aufbewahren. Die Kupplung lässt sich dann einfach herausnehmen.



Bei der 260 und der 89 liegt das Getriebe nach unten offen und ist daher auch schmutzanfälliger. Besonders bei zu viel Öl sammeln die Zahnräder jede Menge Schmutz, deshalb nur 1 kleiner Tropfen an der Schnecke...



...und ein kleiner im vorderen Getriebeteil! Öl ist ja immer wieder eine Glaubensfrage. Ich verwende Lubra Metallic. Es ist sehr dünnflüssig und besitzt hervorragende Kriech- und Haftfähigkeit. Gerade deshalb kann man es sparsam einsetzen, bei zu viel Öl hat man es auf der ganzen Anlage verteilt...



Wie setze ich die Kupplungen wieder ein? Dies ist eine heikle Frage, bei der wohl jeder Z-Bahner anders antwortet. Ich nehme mit dem Kupplungszapfen die Feder auf...



...gehe von schräg oben zum Kupplungskasten...



...bringe zuerst die Feder im Gehäuse unter leichte Spannung und setze dann die Kupplung auf den Zapfen. Dafür eignen sich am besten die blossen Finger (aber nur, wenn sie zitterfrei sind...). Ich habe auf diese Art noch keine Feder verloren. Wer unsicher ist, kann die Feder auch mit einem Stück Draht oder Faden sichern.



Deim Aufsetzen des Getriebedeckels ist die richtige Lage der Aussparung für die Motorschnecke zu beachten!



Der Vorteil eines magnetisierten Schraubenziehers lässt sich beim Verschrauben des Getriebedeckels wunderbar ausnutzen.



Bevor man die Bürsten wieder einsetzt, sollte man die Kontakte der Radschleifer noch auf Sauberkeit kontrollieren. Danach die Bürsten zuerst am Kollektor einsetzen, dann von innen (!) gegen die Kontakte der Radschleifer drücken lassen und...



...unterhalb der Kunststoff-Rastnasen einsetzen. Sie sollten in etwa waagerecht ausgerichtet sein und stellen sich dann während des Betriebs selbst optimal ein.



Zum besseren Verständnis hier noch die Ansicht von oben.



Ein Tropfen Öl lässt den Motor spürbar weicher und leiser laufen.



Das Gehäuse kann nun wieder aufgesetzt werden. Zuerst vorne in die Rastnase einhängen.



Dann das Gehäuse über den Motor stülpen, den Pin diesmal mit einem Schraubenzieher eindrücken und...



...das Gehäuse drüberstülpen - fertig!



Haben wir nicht eine Testfahrt vergessen? Bei den kleinen und leichten dreiachsigen Loks mache ich die Testprozedur immer mit Gehäuse wegen des besseren Kontakts. Anlaufspannung ca. 2 V bei 80 - 110 mA, Stromaufnahme bei 10 V ca 130 - 150 mA. Mehr als 180 mA lassen auf ein schwergängiges Getriebe, über 250 mA auf einen Kollektorschluss oder defekte Ankerwicklungen schliessen. Der Rollenprüfstand ist nicht Pflicht, aber er ist eine elegante Lösung und schont die Radlaufflächen.



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