Neubau Schienenanschluss der Sägerei Stallinger

Folge 1

Seit Juni 2006 hat sich die Landschaft im Rheintal westlich von Chur grundlegend geändert. Wo bisher Kiefernwald und landwirtschaftlich weitgehend unbenutzte Wiesen waren, hat sich nach der EMS Chemie nun ein zweiter Grossbetrieb auf dem Gemeindeboden von Domat/Ems angesiedelt. Das Sägewerk Stallinger ist der grösste Betrieb dieser Art in der Schweiz. Entsprechend aufwendig gestalteten sich die Bauarbeiten im felsigen Untergrund. Das leicht abfallende Gebiet wurde komplett eingeebnet, der Abraum im nahen Kieswerk Reichenau deponiert. Aus Umwelt- und Lärmschutzgründen erhielt der Betrieb die Auflage, die Zu- und Abfuhr des Holzes per Bahn abzuwickeln.
Somit wird es interessant ;-)
Ich habe den milden Märztag mal zum Fotografieren genutzt.



Der "Gleisplan": Das Areal umfasst eine Fläche von ca. 200 x 500 Metern. Zwischen der doppelspurigen RhB-Linie (oranger Pfeil) und dem Werksgelände liegt die vielbefahrene Kantonsstrasse, ein Hindernis das nicht mittels Bahnübergang überwunden werden kann. Daher wird bei laufendem Betrieb auf Bahn und Strasse eine Unterführung realisiert, was einigen Aufwand erfordert. Die fetten schwarzen Linien zeigen die Werksgleise und den eleganten Bogen zur Unterführung.



Der Versuch einer Gesamtaufnahme. Rechts die erwähnte Kantonsstrasse - zwischen Schild und Bildrand ist noch ein Gebäude der EMS-Chemie erkennbar. Das Treiben auf der Baustelle und die ersten Betriebstage der Sägerei faszinieren so manchen Vorbeifahrenden. Man hat vom umliegenden Gelände wirklich einen hervorragenden Blick. Also machen wir mal eine Fototour von West nach Ost.



Hier ist definitiv Schluss mit Schiene. Die westlichen Werksgleise liegen schon. Bemerkenswert noch: Die Normalspur ist wieder ein Stück weiter in den Kanton Graubünden vorgedrungen. Wie man vielleicht meinen könnte, enden die Normalspurgleise in Chur. In Wirklichkeit kommen Normalspurgüterwagen auf einem Dreischienengleis bis zur EMS-Chemie, bzw. demnächst auch zu Stallinger. Zugpferd für die Züge ist zumeist eine Ae 6/6 der SBB, die die niedrigere 11kV Spannung der RhB problemlos verträgt. Dem Vernehmen nach bekommt Stallinger eine eigene Rangierlok, mal sehen was da kommt.



Das Holzlager. Überall noch Baustelle, aber die Stämme poltern schon in den Maschinen - der Betrieb ist bereits angelaufen. Zeit ist Geld.



Dreischienengleis im Bau. Sowas bekommt man nicht oft zu sehen. Deshalb diese Bilder...
Die Schienen sind Rillenschienen, wie man sie von Strassenbahnen kennt. Mal schauen, ob ich den Vorgang des Einbetonierens noch auf Platte bekomme...



Grosses Spielzeug für grosse Jungs. Die 20 Stämme bedeuten für den Radlader wohl keine Last. Kein Schwanken, kein Ächzen - einfach greifen und losdüsen mit den paar Tonnen.



Zwei Dreischienenrillenweichen - ob das der richtige Ausdruck ist? Die sehen einigermassen kompliziert aus, besonders im Herzstück. Nachbauen möchte ich sie jedenfalls nicht in 1:220 ;-)



Welches Geheimnis verbirgt sich wohl unter der abgedeckten Weiche? Beton?



Auch auf der anderen Seite der Verkehrsadern warten schon Tausende ehemaliger Bäume auf weitere Behandlung. Im Hintergrund die EMS-Chemie, überragt vom schneebedeckten Dreibündenstein.



Da macht die Strasse einen Taucher. Im Gegensatz zur Bahnlinie wurde die Strasse vorübergehend verlegt. Ob das mit der Unterführung zu tun hat, oder logistische Gründe ausschlaggebend waren, vermag ich nicht zu beantworten.



Neben der EMS-Chemie betreibt die TEGRA ein Biomasse-Kraftwerk. Ich nehme an, Stallinger wird auch fleissig Biomasse liefern und sich mit dranhängen.



Oder wollte man den Verkehr beruhigen? Die Gerade nach Reichenau war bislang nicht unbedingt als Langsamfahrstrecke bekannt.



Die Unterführung ist noch Baustelle. Da sollen mal Züge durch? Sieht eng aus, wird aber passen, da bin ich sicher.



An das gelbe Warnschild links habe ich mich natürlich gehalten. Obwohl ich gerne ausprobiert hätte, ob mich die Unterführung aushält.



Drüben wird schon fleissig an der Rampe zur Unterführung gebuddelt.



Hoppla! Ob da den Passagieren des Glacier Express nicht der Schnaps aus den schrägen Gläsern schwappt? In der Teleaufnahme wirkt das Gleis wahrscheinlich buckliger, als es tatsächlich ist. Aber ob das so bleibt?



Station EMS Chemie. Die Firma ist der grösste Industriebetrieb in Graubünden. Das rechtfertigt auch eine Haltestelle. Vielleicht verirren sich ja auch Stallingermitarbeiter demnächst hierher.



Die Abstellgruppe östlich des Industriegebiets wird erheblich vergrössert. Bisher fanden sich verschiedenste Güterwagen, vom Schiebewandwagen bis zum Tankcontainer. Am Freitagnachmittag ist aber meistens alles leergefegt. Demnächst kommen noch Holzwagen dazu, wird sicher interessant.
So, nun ist der erste Rundgang mal beendet. Wenn sich bei Stallinger & Co was tut, wird an dieser Stelle weitergearbeitet.



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