Die Faszination Modellbau 2005 im Rückblick

Ehre wem Ehre gebührt:
Märklin vergisst auch dieses Jahr die Z-Freunde nicht und stellt ein ausgewogenes Neuheitenprogramm auf die Beine, hier ein unvollständiger Blick auf das, was uns erwartet...
Eine der Hauptneuheiten 2005 ist sicherlich die BR 58. Das Handmuster macht einen wohlproportionierten Eindruck und die im Zickzack verlaufenden Kuppelstangen werden wir am Serienmodell wohl kaum wiederfinden.



Der gedrungene Aufbau wird sehr schön wiedergegeben und der Motor versteckt sich erstaunlich tief im Führerhaus. Ein lackiertes Tenderfahrwerk mit einigen Durchbrüchen wäre ein Hit, lässt sich aber auch von jedem versierten Bastler mit wenig Aufwand herstellen.



DER Dieselklassiker ist für viele die Nohab. Die skandinavische Produktion mit US-amerikanischen Wurzeln fasziniert immer noch. Wenn man das Vorbild live erlebt hat, muss das Modell her - nun auch in 1:220-Grossserie. Letzlich bedauere ich die Entscheidung von M, dieses Modell schon jetzt zu realisieren, ein paar Jahre Vorsprung hätte ich Claes Mikkelsens Kleinserienmodellen schon gegönnt. Nüchtern betrachtet dürfen wir wohl mit einem schönen Lokmodell rechnen. Am Vorserienexemplar sind Drehgestelle der BR 151 montiert, welche gar nicht zur Nohab passen. Bitte, Märklin!



Obwohl 'nur' eine Farbvariante, begeistert mich die Franco-Crosti erst jetzt. Die Detailfülle ist wirklich hervorzuheben und die Lok ist definitiv der Star der 50/52-Reihe.



So richtig austoben durfte sich die Bedruckungsabteilung am neuesten Taurus der östereichischen CARGOSERV. Wieder einmal ist bewiesen, dass in Göppingen Meister am Werk sind. Wenn nur die Lücke in der Dachleitung nicht wäre...



Für viele das Highlight, obwohl normalerweise nur für Insider greifbar: Der Henschel-Wegmann-Zug. Was weder im Katalog, noch am Modell zu sehen ist - die Wagen sind nach Angaben aus berufender Quelle echt kurzgekuppelt und mit Kinematiken versehen, um das geschlossene Zugbild auch in Kurven weitgehend zu erhalten. Wie es aussieht, sind Insider-Modelle zunehmend auch Technologieträger und damit ist die gewollte Exclusivität (und deren Preis) durchaus verständlich.



Viele Zetties vermuteten das Chassis der BR 78 oder V 32 unter der Zuglok des Henschel-Wegmann-Zuges. Dem ist nicht so - auch hier handelt es sich um eine Neukonstruktion! Die ausgeschnittenen Schürzen sind wohl in erster Linie ein Zugeständnis an die alte Direktive, dass jedes Fahrzeug durch jeden Radius fahren muss.



Natürlich auch noch ein Handmuster ist mein persönlicher Favorit, die A 3/5 der SBB. Eine leichte Veränderung zum Katalogmodell ist bei den Frontlampen zu verzeichen. Sie sind hier deutlich weiter vorgezogen. Letztlich wirken erst freistehende Lampen auf der Pufferbohle stimmig. Ich hoffe, dass hier nicht der Weg der Vereinfachung gegangen wird, sondern dass die markanten Vorbildlampen wenigstens ansatzweise in 1:220 wiedergegeben werden!



Sehr gelungen ist der Tender mit dem typisch schweizerischen Wasserstandsanzeiger. Auffällig kurz sind die Puffer, dies auch bei mehreren anderen Handmustern. Der Motor steht im Gegensatz zur BR 58 gut sichtbar aus dem kurzen Führerhaus heraus, was sich leider kaum kaschieren lässt. Vielleicht sollte man doch mal über einen Glockenankermotor im Kessel nachdenken...



Wirklich nett sind die kleinen offenen Güterwagen mit Kohleladung im Set mit einem passenden Lastwagen. Die gehören auf jede Ep. III-Anlage - auch ohne Kohlenhandlung...



Was ganz anderes und auch nicht Z, jedenfalls nicht nach dem Willen des Hauses: Die Mobile Station gibts nun auch bei Trix, und sie kann - wen wunderts? - Selectrix und DCC. So ganz unverbindlich gesehen könnte sie also durchaus mal auch für den Z-Digitalfreund interessant sein!?



Oder doch lieber analog? Bernd Heisswolf bietet unübertroffenen Fahr- und Bedienkomfort für jede Lok auch ohne Decoder. Meine mitgebrachte uralte V 60 machte mit dem eigens und schnell umprogrammierten Regler eine äusserst gute Figur. Mit 0.2 V Anfahrspannung schlug sie beim Schneckenrennen den zum Vergleich startenden H0-Triebwagen mit 1 cm in 3 Minuten deutlich ;-). Der Fahrregler von Heisswolf - ein innovatives Gerät, das aus jedem Fahrzeug das Maximum herausholt.



Mein persönlicher Favorit bleibt nicht nur wegen des ungebremsten Engagements die Firma MÜT. Deren HC10-Handregler bietet alle Digitalfunktionen in einer Hand und wird mich künftig bei der Betreuung der Julierbahn unterstützen.



Und wieder Themenwechsel - Faller hat mal wieder was Neues für uns, was prinzipiell zu begrüssen ist. Allerdings sehen der Bahnhof Neustadt, der bis auf das moderne Dach ganz nett wirkt...



...der Güterschuppen mit Laderampe...



...und schliesslich der Lokschuppen einander so ähnlich, dass es sich eigentlich verbietet, diese Gebäude zusammen aufzustellen. Klar ist der Grund für die Bruderschaft: Es ist wie heute üblich, der Kostendruck, der den Hersteller dazu zwingt ein Spritzgusswerkzeug so oft wie möglich zu nutzen.



Meiner Meinung nach werden Hersteller wie Manfred Lütke den Bausatzmarkt zukünftig aufrollen, um nicht zu sagen überrollen. Die Vielfalt und Qualität, die innerhalb kürzester Zeit mittels Fräsern und Lasern aus Kunststoffplatten entsteht, lässt sich mit den bisher üblichen Spritztechniken nicht erzielen. Paradebeispiel ist der Bahnhof Peissenberg. Dieses Modell aus weissen Polystyrolplatten wurde von einem Lehrling mittels Pigmentfarben behandelt. Wohlgemerkt, es ist ein Erstlingswerk(!) und kann ohne Übertreibung als wunderschön bezeichnet werden.



In gleicher Manier entstehen Reihenhäuser mit Garagen...



...und die weitverbreiteten Otto-Normal-Wohnblöcke, die gerade aufgrund ihrer Schlichtheit und Massstäblichkeit absolut überzeugen können. Städtebau in Z war lange problematisch - diese Zeit ist vorbei!



Und der Respekt vor geschwungenen Strassenzügen entbehrt seit einiger Zeit jeder Grundlage , diese noch unbehandelten Häuser auf einem Modul von Manfred Jörger beweisen es.
Schöne Gebäude in gänzlich anderer Technik gibt es schon seit längerem bei Artitec. Aufgrund chronischer Überfüllung des Messestandes kam es leider zu keinen Fotos. Man versicherte mir aber, die bisherige Linie weiter auszubauen.



CASALUX - der Name steht seit einigen Jahren für massstäbliche und feine Gebäudemodelle aus Karton.
Nicht Wellpappe...;-)
Schnittbreiten von 0.3mm sind nach Angaben des Chefs möglich und im Vorbeigehen erkundigten sich offenbar viele Zetties nach entsprechenden Gebäuden. Ob die Entscheidung, sich ins Segment der wahren Modellbahn zu begeben, tatsächlich in Sinsheim gefallen ist, oder schon vorher diskutiert wurde, sei dahingestellt. Fakt ist, dass CASALUX im Verlauf dieses Jahres auch im Massstab 1:220 produzieren will. Die H0-Modelle stehen dabei stellvertretend für die ersten Z-Häuser, die nach Berliner Vorbild gestaltet werden sollen. Märklins Anhalter Bahnhof bekommt damit eine adäquate Umgebung...super!



Mehrere Eigenschaften traut man dem Karton nicht zu. Sämtliche Geländer und Fenster sind aus diesem Material. Stabilität ist kein Thema, Brücken, Hallen sind ohne weiteres machbar. Und die Zahlen auf den Schildern links sind Katalogpreise, die beweisen, dass eine Eigenart geblieben ist: Karton ist günstig.
Aufruf an alle Leser dieser Seite: Meldet Euch bei Casalux und macht Stimmung, bildet Meinungen - und interesante Modelle sind uns sicher. Und: Nein, ich bekomme keine Prozente für Kundenwerbung ;-)



Kommen wir zu dem, was sich auf den Z-Strassen (nicht) bewegt...
Der Saurer-Bus ist aus normalem Betrachterabstand wirklich nett anzuschauen, wirkt aber unter der unerbittlichen Linse meiner Kamera eher grob. Offenbar hat die MZZ-Gusstechnik im Z-Massstab ihre Grenze erreicht. Trotzdem sind wir immer wieder froh für die interessanten Modelle aus Schaffhausen!



Witzig auch der CitroŽn mit schöner Beschriftung und die Betonmischer gehören auf jede Baustelle.



Auch dem beliebten Thema Zirkus wird Rechnung getragen, die passenden Zelte und Buden gibt es übrigens bei Lütke!



MO-Miniatur steht seit Jahren für hervorragende Traktorenmodelle in grösseren Massstäben, sowie den einzigen Z-Gabelstapler. Nun kommt auch ein Fuchs-Bagger dazu der wirklich hübsch aussieht. Die 'Fenster' könnte man noch etwas hervorheben und das Material des Seils könnte man evtl. auch noch ändern, damit der Baggerfahrer nicht mit seinem Greifer herumschwingt ;-)



Auch gelungen ist dieser Raupenschlepper...



...und natürlich der Z-Standard-Gabelstapler, der als einziger die Z-Europaletten sicher auf der Gabel hat.



Wir bleiben auf der Strasse, aber auf Schienen. Das Modell der KSW-Strassenbahn von Hödl macht wirklich Appetit auf ein ganz exotisches Thema. Die geätzten Neusilberbleche geben diese Tram schon im Handmusterstadium so überzeugend wieder, dass ich mir insgeheim eine Stadtanlage wünsche, auf der dieses Schmuckstück seine Runden drehen könnte.



Den Motorwagen füllt ein kleiner Glockenankermotor mit Schwungmasse ziemlich aus. Z-Passagiere werden deshalb von Vorteil im Beiwagen untergebracht.



Bei Krüger wird das Z-Programm ausgedünnt, aber sicher nicht aufgegeben. Nachdem einige Probleme beim V 36-Fahrwerk gelöst wurden, dürfen wir weiterhin mit deren Auslieferung rechnen. Stellvertretend für ein neues Z-Wagenmodell steht hier die N-Version des KKt 46. Dieser Getreidewagen wurde nach Kriegsende auf fünfachsigen Kondenstender-Fahrwerken aufgebaut und war bis Anfang der 70er Jahre auf dem DB-Netz anzutreffen. Ein wirklich interessantes, markantes Modell.



Nicht brandneu, aber trotzdem höchst interessant ist dieser Dampfkran, der eigentlich in jedes grössere BW gehört. Der Blechausleger ist eine filigrane Augenweide.



Nein, nicht Halwa-Aspen-JHM, nicht Petau, nicht Microtrains...
Die Weichen von König Modelltechnik werden noch im Jahr 2005 käuflich zu erwerben sein. Demnächst wird in einer bekannten Z-Publikation ein Vorbericht zu sehen sein.



Die Frage, welche Weichen ich zukünftig verwenden werde, könnte mit diesen tollen Nachbildungen bald geklärt sein.
Traumhaft die DKW, die absolut grossserienkompatibel ist. Märklin-Achsen rollen ohne anzuecken über dieses Schmuckstück.



Die Profilhöhe beträgt 1mm, die Schienen sind aufgelötet. In welcher Form die Weichen zur Auslieferung kommen, ist noch nicht geklärt. Bausätze dürften wohl nur absolute Könner ansprechen, Fertigmodelle werden wohl zu Recht ihren Preis haben. Wir sind gespannt.



Passend zum Thema sind eigentlich auch die Untersuchungsgruben aus dem Hause Krüger.



Was gab es eigentlich an Z-Anlagen zu sehen?
Immer wieder schön sind die Dioramen bei MZZ.



Der BW-Klassiker schlechthin ist der Rundschuppen mit Drehscheibe auf der Modulanlage von Manfred Jörger. Und das Schöne - es funktioniert hervorragend...



Ausserhalb der Jörgerschen Modulanlage mit neuen Modulen gab es eigentlich nur zwei Kleinstanlagen im Stil 'Gartenbahn für die Gartenbahn', oder...



...den Digitalzentralentunnel bei Massoth. Abstrakt, aber es gab Leute, die hatten Freude dran. Die Zentrale ist überigens in dieser Version nicht ab Lager lieferbar, schaaade...



Guido Kruschke, Herr der Dampfloks und der Drehscheibe



Und Manfred, wuselig und engagiert wie eh und jeh. Bei ihm wurden jederzeit Schnellkurse in Lokwartung abgehalten und mancher holte sich die Erkenntnis über die wahre Modellbahn...



Und nach 4 Messetagen wirkt einfach niemand frisch, aber immerhin zufrieden ;-)



Was waren meine Eindrücke jenseits dieser Bilder?
In Sinsheim gabs schon mehr Zettiges zu sehen, egal ob Anlagen oder Hersteller damit gemeint sind. Was immer wieder erstaunt, sind die neuen Hersteller, die auf jeder Messe auftauchen. Offenbar ist die Ich-AG gerade auch im Modellbausektor Realität, kleine und kleinste Anbieter haben einen Stand, oder stellen sich anderweitig vor. Zum Beispiel konnte ich einen Lampenhersteller kennenlernen, der auch im Zeitalter der LED auf Glühlampen als Lichtquelle setzt, und dies mit Erfolg. Dazu wird es sicherlich schon bald Fotomaterial geben

Bei MÜT habe ich mitgenommen, dass Digital mittlerweile schon fast Standard ist, mehrere hundert digitalisierte Z-Lokomotiven sprachen schon letztes Jahr eine deutliche Sprache und der Trend ist ungebrochen. Gerade in diesem Zusammenhang hat mich eine längere Diskussion mit Claudius Veit (der der die neuen Austauschplatinen mit Decoder produziert) sehr gefreut. Auch das Thema Schnittstelle kam zur Sprache und wir waren uns einig, dass der Weg in diese Richtung gegangen werden sollte. Ich denke, wir können zu diesem Thema in naher Zukunft brauchbare Ergebnisse erwarten.

Ganz besonders habe ich mich gefreut, die Bekanntschaft von Uwe Müller zu machen. Herr Müller ist bei Märklin für das Produktmanagement der Spuren I, H0 Hobby und Z verantwortlich und machte einen sehr engagierten und vor allem offenen Eindruck. Ich hatte zum ersten Mal das Gefühl, als Kunde einerseits und engagierter Zettie andererseits ernst, bzw. überhaupt wahrgenommen zu werden. In der Gesprächsrunde kamen verschiedene Themen zur Sprache, die uns Z-Bahner teilweise seit Jahren bedrücken oder Unverständnis hervorrufen. Ich hatte das Gefühl, dass die eigentlich unverzichtbare Kette Kunde-Händler-Hersteller in den letzten Jahren nicht zuverlässig funktionierte. Rückmeldungen über Probleme landeten überall, aber nicht am richtigen Ort bei Märklin. Es gibt meines Erachtens begründete Hoffnung, dass sich in Punkto Qualität und Technik in Zukunft etwas bewegt und deshalb bin ich guten Mutes aus Sinsheim zurückgekehrt. Ging sicher vielen so...

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