Faszination Modellbau Sinsheim 2002

4 Tage Messeerfahrungen mit der Anlage Blumendorf

Dieses Jahr war ich mit Erwin zum ersten Mal als Ausstellender an der Faszination Modellbau beteiligt und mit einigen Tagen Abstand zum Geschehen kommen die Erlebnisse so richtig durch. Klar, das sehr gute Abschneiden war mir schon am Abend nach der Preisverleihung schon voll bewusst, die Folgen aber noch lange nicht. Auch jetzt noch erreichen mich Glückwünsche und Artikel über die Messe und meine Anlage werden sicher das bewirken, was mein Anliegen ist: Der Baugrösse Z zu mehr Verbreitung zu verhelfen und den Gag- und Sammelstatus zu widerlegen.

Die Tage im Einzelnen

Am Mittwochabend trafen wir nach einigen Stunden Fahrt im verregneten Sinsheim ein. Obwohl wir so ziemlich als letzte eintrafen, waren wir vor vielen mit dem Aufbau fertig - eine kompakte Z-Anlage hat auch einige Vorteile...
Einige Proberunden mit diversen Fahrzeugen zeigten, dass auf der Fahrt nichts beschädigt wurde. Nach einer Runde durch die Hallen und einem kleinen Schwatz hie und da gings ins Hotel und der Magen wurde noch gefüllt.

Donnerstag 06:00h - der Wecker klingelt vergebens, wir waren schon wach. Nervosität oder Tagesrhythmus, wer weiss schon woran's liegt. Nach dem Frühstück gehts mit dem Bus zur Messe, wir sind noch nicht in der Halle und sehen schon das erste bekannte Gesicht, da fühlt man sich fast wie daheim...
Eine Viertelstunde zum Starten ist nicht viel, der Bus ist etwas spät abgefahren, na ja, gestern gings ja! Der "Kaltstart" ist dann doch etwas holprig, draussen Regen, drinnen Heizung - das Klima durchaus tropisch, die Feuchtigkeit deutlich zu spüren. Nachts wurde auch die Halle nochmals geputzt, der Staub umverteilt und die Dampfloks auf der Blumendorfer Strecke weigern sich, ruckfrei zu laufen. Also umstellen auf Dieselbetrieb, V 100 und 160 und die 221 laufen zuverlässig. Einige Entgleisungen an bisher zuverlässigen Stellen unter den Augen der ersten Besucher lassen eine gewisse Hektik aufkommen, dabei wollte ich doch nur lange Züge fahren lassen...
Nach einer halben Stunde pendelt sich ein zuverlässiger Betrieb ein, nur nichts ändern! Die Besucher fragen, wir geben Antwort: "Mensch, die fahren ja soooo langsam, wie macht ihr das?" "Digital? Wo habt Ihr den Decoder denn?" "Wo gibt's denn das Baugerüst?" ...usw...
Wir beantworten den erstaunten Besuchern ihre Fragen und merken: Wir haben's getroffen! Die Nasen nähern sich bedrohlich den Bahngleisen auf der Suche nach der kleinen Axt auf dem Hackklotz und anderen Kleinigkeiten. Die Leute erkennen, dass auch eine kleine Anlage Zeit zum Betrachten braucht und die Detaillierung sooo viel schlechter als bei den "grossen" Nachbarn auch nicht ist. Einige Besucher geben sich zu erkennen als Besucher dieser Seiten oder Leser der Z-Club 92- Mailingliste, es entstehen tolle Gespräche, man lernt sich persönlich kennen. Schöne Erfahrung! Auch viele bekannte Z-Freunde sind schon am Donnerstag da und freuen sich über das Wiedersehen. Erwin und ich wechseln uns ab, jeder nimmt mal ein paar "Auszeiten" zum Herumschnuppern, Essen oder anderen Geschäften. Ich geniesse die Smalltalks bei den Kleinserienherstellern und den anderen Z-Ausstellern, so macht Messe Spass! Am Nachmittag ebbt das Interesse bei der Masse ab, die Leute gehen mit Sättigung durch die Hallen und wir haben Zeit zum Probieren. Die 78er kommt auf die Anlage und fährt auf Anhieb problemlos, auf Gleis 2 überbrückt der Schienenbus mit Pendelfahrten die bewegugslosen Zeiten auf der Oberfläche von Blumendorf, die Wege im Untergrund sind halt schon lang...
Die "Prominenz" in Form von Hagen von Ortloff von der "Eisenbahnromantik" schleicht, umringt von einer kleinen Menschentraube, gegen Abend durch die Abteilung Privatanlagen-Wettbewerb - da hab ich wohl zu wenig Dampfromantik zu bieten...
Der erste Tag klingt ruhig aus und wir sind zum Ausstellerfest eingeladen, glücklicherweise ist in der Z-Abteilung noch Platz für uns. Nach der Busfahrt ins Hotel und einem kleinen Schlummertrunk fallen wir zufrieden und erschöpft ins Bett.

Der Wecker kommt am Freitag seiner Aufgabe gründlich nach, zum Glück, wir hätten sicher verschlafen...
Etwas früher sind wir in der Halle, Routine macht sich breit, jeder Gang und jeder Handgriff sitzt, schnell wird noch der Beier-Überladekran auf der Anlage montiert, die Weichen bekommen Antriebskästen und Laternen, auch von Beier - schön, dass er auch mal im Süden ausstellt! Wieder läuft der Besucherstrom ruhig an, Freitags ist immer das Fachpublikum da, echte Modellbahnfans, Redakteure, Interessierte. Obwohl die Hallen bei weitem nicht gefüllt sind, werden alle Anlagen von Besuchern umringt, auch Blumendorf. Zum Glück läuft der Betrieb weitestgehend störungsfrei und wir haben Zeit, die zahlreichen Fragen zu beantworten. Auch die Kleinserienhersteller schauen gelegentlich mal vorbei - Z-Freunde - eine grosse Familie, ist unser Eindruck. Gegen Mittag zeigt sich die MIBA, der Alba-Verlag und das Märklinmagazin, es wird beäugt, befragt und diskutiert. Allen ist klar - es geht um die Wurst. Ich denke, gegen die HO-Anlagen bin ich chancenlos, aber ich bin ja sowieso nur anlässlich und nicht wegen dem Wettbewerb da. Um 14:30h bekomme ich die Nachricht, dass gegen 15:00h die Vergabe der Ehrungen angesagt ist und nun ist kein Erwin in Sicht. Da muss halt Andrej Katzenberger, der natürlich gar nicht zufällig da ist, herhalten. Auf meine Bitte hin managt er für die Zeit der Preisverleihung den Blumendorf-Stand und dies nur mit einer absoluten Kurzinstruktion - spricht für seine Schlauheit und die einfache Bedienung der Steuerung. Danke Andrej! Tja, und nun, Siegerehrung..., da steht man im Kreise seiner Modellbahnkollegen vor der Bühne und denkt: "Wer macht das Rennen?". Und, peng, ist man's selbst..."Der erste Preis geht an die Anlage Blumendorf von Jens Wimmel", war der Wortlaut, und der Jens konnte es nicht fassen, hat sich bald überschlagen vor Schreck, aber die "Urkunde" in Form einer bedruckten Papptafel gehörte tatsächlich ihm, wow! Ein 1. Platz für eine Minianlage im Massstab 1:220, das hat was, hab ich mit meiner Art Modellbahn zu betreiben wohl den Nerv der Jury getroffen...
Ich widme diese Auszeichnung allen engagierten Modellbahnern und vor allem denen, die beweisen möchten, dass auch in der Baugrösse Z tolle Anlagen egal welcher Art möglich sind. Ich gehe leicht traumatisiert aus der Siegerehrung zurück zur Anlage und zeige Andrej und Erwin die Tafel und es herrschte eine Freude, wie man sie nur in ganz speziellen Momenten erlebt, dies noch mehrmals an diesem Freitag. Der Fotograf vom Märklinmagazin macht noch weitere Fotoaufnahmen von der Anlage, später kommt Rio Grande Video mit einer Kamera und filmt eine geschlagene Stunde den Zugverkehr und die Details von Blumendorf, ich bin froh, dass ich nicht prominent bin...
Die Modell-Light-Show in abgedunkelter Halle erleben wir so, wie halb Europa die letzte Sonnenfinsternis - dunkler, aber nicht wirklich dunkel. Die Tausende von Watt der Strahler des MIBA-Standes in der Nachbarschaft verhindern erfolgreich, dass die Bewohner von Blumendorf ihre Festbeleuchtung effektvoll zur Geltung bringen können. Mit einem "Überfall" einiger Modellbahner auf einen ahnungslosen Gasthof und einer geselligen Runde mit leckerem Essen endet dieser ereignisreiche Tag.

Samstag = Volles Haus, sagte man uns und der Andrang an den Eingängen ist schon um halb Neun beeindruckend, wir mit unseren Ausstellerausweisen mussten natürlich nicht warten. Nach Öffnung der Tore bricht dann eine selten gesehene Menschenmasse über uns herein. Ich denke, oh je, heute gibts die ersten Flurschäden und Diebstähle, Blumendorf ist ja bis auf 1-2 Wachmänner völlig schutzlos...
Zum Glück verteilt sich die Menge in den Hallen und wirklich Interessierte haben Gelegenheit mit uns zu reden, die Anzahl der Besucher von Blumendorf ist nicht grösser, als an den Vortagen, der prozentuale Anteil der Interessierten deutlich geringer. Die Masse "schwappt" gewissermassen hin und her, bei einem Gang in die Halle mit der Amerika-Schau sehe ich, dass vor Dieter Noltes Anlage ca. 20 Leute versuchen, etwas zu sehen. Ob von denen einer seine Z-Klapperschlange entdeckt hat? Auf dem Weg zurück fallen mir die teilweise betretenen Gesichter der Händler auf - Sinsheim ist wohl nicht die Verkaufs-Schlagermesse. Erwin hat sein Publikum wie gewohnt im Griff, "Lieber weniger Leute, dafür schmunzelnde", denke ich und schaue mir das Szenario aus einiger Entfernung an, die Leute, die von unserem Stand weggehen, sind sicher überzeugt und um einiges schlauer ...deswegen sind wir ja hier...
Am Nachmittag werden die Leute zunehmend träge, das Schlendern überwiegt, hier ein Blick, da einer - das Gehirn der meisten Besucher ist an der Grenze der Aufnahmekapazität angelangt. Kinder sorgen für Leben, ich bange gelegentlich um die Schilder an der Paradestrecke, die ganz kleinen kommen zum Glück nicht ran, die etwas grösseren sind meist ruhig genug und lassen alles am Platz. Gegen Abend ist wieder Fototermin angesagt, diesmal der Alba-Verlag. Mit einem Hintergrund aus Papier wird schönes Wetter gemacht. Ich sage mir, lieber kein Hintergrund, als ein unpassender, der Himmel ist aber schon in Ordnung...
Der Samstag klingt ruhig aus, 3 Messetage zeigen auch bei den Ausstellern langsam Spuren. Das Essen und die Getränke im Gasthof haben wir schon vorgesehen und wurden von der badischen Küche bestens verwöhnt.

Der Sonntag ist Familientag, Kinderwagenrennen, mit dieser Vorhersage gehen wir in den letzten Messetag. Am Morgen finde ich Zeit ein paar Servicearbeiten und Einkäufe zu tätigen. Teilweise waren Loks schon 25 Std. auf der Messe im Einsatz. Die 216 zog ihren Güterzug, der immer länger wurde den ganzen Samstag ohne Pause über die Strecke. Zeit für eine Reinigung der Kontakte und wenig von einem Wunderöl, das Getriebe war deutlicher hörbar...
Nach der Ölung bekommt die 216 Vorspann von der V160 und der Güterzug hat nun 34Achsen, nach einigen Umstellungen innerhalb des Zuges fährt er zuverlässig und die Leute haben ihre Freude an dem langen Riemen. Der Eilzug mit der 221 hält nun öfters ausserplanmässig, um den Leuten das sanfte Abbremsen und Anfahren mit der Digitaltechnik zu demonstrieren, wir ernten immer wieder grosse Augen. Nicht mehr zuverlässig ist die V100, deren Gehäuse ich doch mehrfach aufgemacht habe um den Einbau des Decoders zu zeigen - dabei wollte ich sie doch nie wieder öffnen...
Versuche mit verschiedenen Dampfloks zeigen eine nicht messetaugliche Unzuverlässigkeit, sicher eine Folge der Klimaveränderung, die Anlage hat sich ca. 5 mm verlängert und wieder zusammengezogen. Der Familientag macht der Prophezeiung alle Ehre, die richtigen Fans wissen, warum sie vorzugsweise an anderen Tagen kommen. Trotzdem kommen auch heute immer wieder Leute vorbei, die die Anlage von diesen Seiten kennen, das freut mich natürlich besonders! Was mich auch freut, ist die Tatsache, dass der Digitalbetrieb keine Negativerscheinungen im Dauerbetrieb mit sich bringt, die Loks werden nicht heiss, die Gleise müssen nicht(!) zusätzlich gereinigt werden, fahren reicht. Natürlich zeigt der harte Messebetrieb auch die Schwachpunkte dieser Anlage mit vielen Abschnitten aus meiner Anfängerzeit und einer gewissen Sparsamkeit am falschen Ort. Sonntag, 16:30h, die Hallen leeren sich zusehends, Blumendorf stösst auf kein allzu grosses Interesse mehr, deshalb wird der Fahrplan ausgedünnt, die Vorbereitungen zum Abbau werden getroffen und die Gedanken blicken zurück auf 4 tolle, anstrengende, aussergewöhnliche Tage. Um 17:00 ist die Faszination Modellbau 2002 Geschichte...

Diese Messe ist die erste, aber wohl nicht die letzte. Das Interesse nach "neuen" Anlagen besteht und Blumendorf wird sicher mal wieder an einer Ausstellung teilnehmen, wenn es die Zeit erlaubt. Es dauert einige Zeit, bis eine Modellbahnanlage "verbraucht" ist, sie also einen Bekanntheitsgrad erreicht hat, der das Ausstellen unnötig macht. Dennoch kommt nun die Frage auf, "Blumendorf, und was danach". Eine Modellanlage wird nie fertig, das stimmt sicher, und auch die Detailgestaltung und einige technische Dinge werden noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Grössere Umbauten wird es nicht mehr geben, dafür ist die Anlage auch nicht gedacht und gemacht. Sicher sind die Erfahrungen mit Blumendorf ein guter Start für ein weiteres Projekt, wer weiss, vielleicht bis Sinsheim 2004?

28.03.2002 Jens Wimmel

Hier einige Impressionen aus Sinsheim in Bildern festgehalten.
Einige Aufnahmen steuerte dankenswerterweise Andrej Katzenberger bei.

Der Blumendorf-Messestand



Erwin als souveräner Entertainer hat alles im Griff



Manches erfordert Erklärung und Rangehen mit der Nase



Was hecken Heckl und Lustenberger wohl aus...?



Schmunzelnde Besucher sind der Lohn für den Z-Bahner



Der "Chef" scheint nicht ganz zufrieden zu sein...



Na ja, manchmal braucht's halt eine kleine Nachhilfe



Um mit den Worten eines bekannten Schweizer Politikers zu reden: Freude herrscht!



Jeffrey McHan's Val Ease Central Railroad dicht umlagert, ebenso Dieter Noltes Red Rock Canyon



Der linke Koffer von Jeffreys bildhübscher Anlage



Gedränge auch bei Dieters feinstdetaillierten Szenen



Alfred Schön beim Steruern seiner Moffat-line-Anlage



Die Modulanlage der IG Spur Z. Links vorn Thomas Zeeb vom Z-Club 92 Stuttgart.



Szene aus der Z-Anlage von Harald Wiehn, meinem Nachbar beim Anlagenwettbewerb.



Karl Scharf mit seiner 4 Jahreszeiten-Z-Anlage, auch er nahm am Wettbewerb teil