Das MTL-Modell der GP-35

Selten hat eine Neuheit die US-Freunde unter den Zetties so bewegt wie die GP-35 von MTL. Die seit langem erste Neuentwicklung bei den Lokomotiven ist das Modell einer weitverbreiteten Universallok. In den Jahren 1963 - 66 wurden insgesamt 1333 Maschinen bei EMD gebaut. Die grossen Bahngesellschaften benötigten aber bald schwerere und stärkere Loks, so dass die 2500 PS starken GP-35 schnell für leichtere Aufgaben verwendet wurden oder dem Verschub dienten. Mitte der 80er Jahre wurden die meisten Loks an regionale Bahngesellschaften verkauft. So findet man heute die Loks in bunter Vielfalt in allen Regionen Nordamerikas.

Auf Railpictures.net findet man dieses gelungene Foto einer UP-Maschine. Und über 600 weitere...


Das Modell von MTL ist gut gelungen. Äusserst fein modelliert sind sämtliche Lüftergitter und die Handläufe, sie sind aus geätztem Metall. Die Lackierung und Bedruckung ist qualitativ erstklassig. Ob der Grauton mit dem Vorbild übereinstimmt, lasse ich mal offen. Ich finde ihn deutlich zu hell. Der Tank wurde auch wegen seines Plastikglanzes in einem dunkleren Ton überlackiert.


An der Frontseite dominieren die Geländer - im positiven Sinn! Der Kompromiss aus Haltbarkeit und Filigranität ist bestens gelungen. Auch die Kette am Übergang wurde nachgebildet. Bei der Beleuchtung hätte man noch etwas investieren sollen. Die Nummerntafeln sind gut ausgeleuchtet, hingegen waren die oberen Lampen eher schattig - sie haben keinen Lichtleiter. Mit etwas gefühlvoller Bohrarbeit und 0.5mm Lichtleiter bekommt man das zwar schnell hin, ich finde man sollte diese Bastelarbeit aber nicht dem Kunden zumuten. Die Verwendung von warmweissen LED zeigt schliesslich, dass man über dieses Thema nachgedacht hat.


Die GP-35 ist kein Schwergewicht. Mit 37 Gramm liegt sie aber immer noch über vergleichbaren Märklin-Loks und sowohl die Zugkraft, als auch die Stromaufnahme sind absolut ok. 15 bis 20 Güterwagen sind in der Ebene problemlos zu bewältigen. Zu den guten Fahreigenschaften trägt auch der Maxon Motor mit zwei kleinen Schwungmassen bei. So läuft die Lok sehr ruhig und gleichmässig, mit angenehmer Regelcharakteristik, ein Auslaufwunder ist sie aber nicht wirklich.


Ein trauriges Kapitel war lange Zeit die Digitalisierung. Der Fehler ist aber definitiv nicht MTL zuzuschreiben. Das Gehäuse ist recht gut proportioniert und man hat sich Mühe gegeben, den Platz nicht völlig zu verbauen. Das Problem waren die DCC-Decoder, die mit der Gehäuse-Innenbreite von 8 mm nicht harmonieren. Mittlerweile bietet Digitrax einen Plug and Play-Decoder an. Die Platine der Lok muss nur ausgetauscht werden. Auch Uhlenbrock und CT-Elektronik bieten inzwischen passende Decoder zum Selbsteinbau an. Bei meiner GP kam mangels dieser Möglichkeiten damals für den Decoder nur ein Platz in Frage - der Tank! Da dieser komplett mit Metall ausgefüllt ist, kommt man um eine grössere Feilarbeit nicht herum, dazu sind noch Kabelkanäle nach oben zu bohren, der Kunststofftank muss ausgeschnitten werden und der Decoder darf samt Kabeln seinen Platz finden. Nach 4 Stunden konnte dann endlich die erste Testfahrt beginnen. Uff...
Wenn wir schon unter der Lok sind...die Drehgestelle wurden von der F7 übernommen. Bei der GP fällt aber auf, dass sie irgendwie schmalbrüstig wirken. In der Tat ist die Gravur nicht besonders plastisch und die Lok hängt auch wegen ihrer leichten Überbreite seitlich ziemlich über. Man vergleiche das Vorbildfoto!


Ich habe bereits begonnen, die Lok zu patinieren. Sämtliche Lüfter wurden mit schwarzer Farbe behandelt und auch das Dach und die Laufstege leicht verschmutzt. Der hellgraue Farbton wirkt so etwas angenehmer und die Lüftergitter noch plastischer.

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