Auf einer Rundreise über die Insel hatte ich Gelegenheit, Sri Lankische Eisenbahnatmosphäre einzufangen.
Als komfort- und sicherheitsverwöhnter Mitteleuropäer ist der Besuch von Bahnanlagen und die Fahrt mit der C.G.R.,
der staatlichen Eisenbahngesellschaft zumindest gewöhnungsbedürftig.
Der Zustand der Bahnanlagen lässt vielerorts zu wünschen übrig, die Triebfahrzeuge sind meistens recht modern.
Die Personenwagen hingegen können ihr hohes Alter kaum verleugnen, Reisekomfort ist ein Fremdwort, ein Hauch
von Abenteuer kommt auf bei der polternden und schwankenden Fahrt. Viel Spass bei dieser kleinen Tour!

Ein Bahnübergang eines Fussweges: Eigentlich verwunderlich, normalerweise findet man auf den Gleisen vom Fussgänger
über Rindviecher und anderes Getier bis zum Ochsenkarren alles - die Eisenbahn ist halt meist die kürzeste Verbindung...

Verschweisste Schienen gibt es nicht, das Klack-Klack ist ständiger Begleiter auf einer Zugfahrt.
Oft ist die Schienenlänge kürzer, als der Radabstand der Wagen, und es poltert auch wegen der Absätze enorm.
Die Federn an den Drehgestellen arbeiten sichtbar hart, wie ich beim Blick aus dem Fenster sehen konnte...

An der Strecke nach Kandy scheint der Schotter nach dem Zufallsprinzip verteilt zu sein.
Für den Fahrgast ergibt sich daraus eine gemütlich schaukelnde Fahrt.

Die Gleisbettung ist echte Handarbeit, mit Körben wird der Schotter verteilt.
Eine Gleisbaumaschine habe ich nicht gesehen.

Dieses Bild sagt wohl alles über das Fahrgefühl: Abenteuer pur für den verwöhnten Eisenbahnfan!

Die Bahnstation von Kandy, der Grossstadt im Zentrum des Landes.

Ein noch nie gesehenes Gewusel von Lebewesen und Fahrzeugen aller Art prägt die Städte in Sri Lanka.
Wohlgemerkt, dieses Bild entstand zu einem eher ruhigen Zeitpunkt.

Im Umfeld der 2-Millionen Metropole Colombo verläuft die Strecke nach Galle (Gorl mit weichem R gesprochen) zweigleisig
und zu den Hauptverkehrszeiten besteht eine hohe Zugdichte. Auch die Bahnanlagen sind deutlich besser im Zustand.

Hier ein moderner Pendelzug in Mount Lavinia. Die Strecke nach Galle verläuft häufig direkt am Strand!
Eigentlich traumhaft für einen Bade- und Bahnfan wie mich...

Vollbesetzt ist dieser Bummelzug nicht, da habe ich ganz andere gesehen (aber die Kamera nicht schussbereit)...
Da die Wagen keine Türen und ständig offene Schiebefenster haben, gewinnt man pro Wagen sicher 30 Plätze dazu.
Die Lok hat einige Gemeinsamkeiten mit mir!

...nämlich Geburtsort und Geburtsjahr ;-) Kassel 1969!

Die W1-Loks werden meist vor den Nahverkehrszügen eingesetzt. Eigentlich ein GM-Produkt, wurden sie von Henschel
in Lizenz gefertigt. Der 12-Zylinder leistet 1650 Pferdestärken.

Hier ein 3. Klasse-Wagen mit Gepäckabteil in Alutgama.

Die Wagen scheinen sehr robust zu sein, wenig gepflegt, stark benutzt, ständig gestossen von Gleisen und Weichen -
und sie funktionieren trotzdem. Innen kommt echtes Donnerbüchsenfeeling auf!

Alutgama, die Bahnstation der Ferienorte Bentota und Beruwala liegt auf halbem Weg zwischen Colombo und Galle.
Fahrzeit für die ca. 60 km nach Galle: 1 Stunde 15 Minuten mit dem Expresstrain.

Biologische Unkrautbekämpfung auf den Bahnanlagen - günstig und effektiv!
Die Station war einst Lokdepot und Behandlungsstation für Dampfloks. Zu sehen an einem alten Kran...

...und der Drehscheibe, die heute als Biotop dient ;-)

In der 2. Klasse: Auf Empfehlung eines netten Bahnangestellten benutzten wir für die Fahrt nach Galle
nicht die 3. Klasse. Er hatte wohl Mitleid...
Dieser "Luxus" kostete für eine Richtung, 2 Personen und ca. 60 km 64 Rupies, was ziemlich genau 1 Schweizer Franken
oder 65 Cent entspricht. Kein Wunder, dass die CGR kein Geld hat!

Kurz nach Abfahrt in Alutgama führt die Strecke über den Bentota river, der 500m weiter in den Indischen Ozean mündet.
Oft führt die Strecke in Sichtweite des Meeres nach Galle. Ständiger Begleiter ist das Horn der Lok
um die Lebewesen und Fahrzeuge von der Strecke zu verscheuchen.

An der Einfahrt in den Bahnhof Galle liegt das Stellwerk. Die Gleisanlagen sind für eine Stadt mit 150000 Einwohnern
nicht sehr grosszügig. Da kaum Güterverkehr stattfindet, sind sie wohl eher noch überdimensioniert.

Hinter dem Wärterhäuschen in Galle steht ein "echter" Schienenbus, ein umgebauter Omnibus!
Wäre in Europa wohl so nicht mehr denkbar...

Der Lokschuppen in Galle: Wie fast alle Bahnanlagen stammt er aus der Britischen Kolonialzeit.
Ende der 40er Jahre verliessen die Engländer das damalige Ceylon. Seit dieser Zeit wurde in die
Bahnanlagen nicht mehr allzuviel investiert und nur repariert, wo es unbedingt notwendig war.

Eine Hunslet-Rangierlok der Class Y im Bahnhof Galle.

Eigenwillige Interpretation des Themas Universalkupplung: Die Verbindung von Klauenkupplung, Hakenkupplung
und Puffern kannte ich bisher nicht, aber sie scheint sich wohl zu bewähren. Besonders die alten zweiachsigen
Güterwagen, die aussehen wie Epoche 1-Fahrzeuge sind mit Hakenkupplung ausgerüstet,
das neuere Rollmaterial mit
Klauenkupplung.

Kanadischen Ursprungs ist die Diesellok der Class M7.
Interessant sind die Umsetzgleise am Ende des Bahnsteigs in Galle.
Die Lok hat den Zug aus Colombo gezogen und für die Fahrt zum Endpunkt der Strecke nach Matara setzt sie
sich nun ans andere Ende des Zuges, eine zweite Lok ist so nicht erforderlich.

Die neuesten Zugpferde kommen aus Frankreich. Hier die Class M9 869 beim Umsetzen.

Die Bahnstation von Galle.
Interessant ist der Fahrkartenkauf: Ca. 15 Min. vor Abfahrt des Zuges öffnet der Schalter und der
Bahnangestellte druckt mit einer antiken Maschine die Pappfahrkarten. Angesichts des enormen Gedränges
war ich über seine Gelassenheit erstaunt und tatsächlich fuhr der Zug auch pünktlich ab!
Auf den Bahnsteig kommt man nur mit Karte, das machte das Fotografieren zu einer leicht hektischen Angelegenheit
weil man ja auch noch einen Sitzplatz haben will ;-).
Am Zielbahnhof braucht man dann die Fahrkarte um wieder von Bahnsteig herunterzukommen.
Soweit der Bericht des Südasien-Korrespondenten...